Das sagt Zarathustra bevor er anfängt, über den letzten Menschen zu wettern, dessen Bedürfnisse weitgehend befriedigt sind, der gemütlich vor sich hinlebt und keine Lust auf ein heroisches Dasein hat, was Nietzsche natürlich ganz schrecklich findet. Komischerweise finden sich gerade unter verbeamteten Geisteswissenschaftlern viele Anhänger dieses Irren, wie der Autor aus Erfahrung weiß. Die halten über den ausgedehnte Vorträge. Das Szenario kannte schon Goethe und hat es im Faust beschrieben.

Nichts Bessres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

An heroischen Zeiten hat es ja nach Nietzsche nicht gerade gemangelt und Nietzsche hätte sein Problem einfach lösen können. Auf sein Ruhegehalt von der Basler Uni verzichten und bei den Stahlkochern im Ruhrgebiet am Hochofen anheuern für einen Hungerlohn. Da hätte er eine total heroische Existenz gehabt. Dass eine starke Persönlichkeit alle Werte in Frage stellt, das Chaos in sich trägt, ohne der Logik der Gesellschaft eine eigene Logik entgegensetzen zu können und diffus von einer Utopie phantasiert, einem tanzenden Stern, heißt also noch lange nicht, dass das zu vernünftigen Ergebnissen führt. Es braucht dann schon noch einen wachen Verstand, der die Dinge richtig einsortiert.

Ein weiteres Problem ist, dass der geistige Artefakt auch eine schlichte Projektionsfläche sein kann. Da der Kanon vorher fest im Bewusstsein einer Gesellschaft verankert wurde und ihm deshalb Autorität zukommt, kann er politisch missbraucht werden. Dann wir auf einmal der Weltbürger Goethe zum Vertreter des Deutschtums. Illustriert wird das Phänomen durch Baldur von Schirach in seiner Rede „Goethe an uns. Ewige Gedanken des großen Deutschen.“ Das ganze Blabla vom Beitrag der Geisteswissenschaften zur Orientierung und Wertevermittlung ist hanebüchener Blödsinn. In kritischen Phasen, das gilt überall auf der Welt aber insbesondere in Deutschland, trugen sie eher zur Desorientierung bei.

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