Wir reden hier nicht vom Geist aus der Flasche oder Aladins Wunderlampe, das ist zwar auch ein Geist, ein weiterer aus der langen Reihe der Geister, aber was anderes. Wir reden hier von etwas, das in dem Wort Geisteswissenschaften steckt, wobei kein Mensch weiß, was das eigentlich ist. Der Begriff an sich ist eigentlich gar nicht so übel, denn er verweist schon auf das Mysterium. Im spanischen Begriff humanidades, das verweist auf das Menschliche, bzw. im Französischen lettres, das verweist auf Buchstaben oder das englische arts, das verweist auf Kunst, wird der Gegenstand des tiefsinnigen Sinnens älterer Herren und Damen schon eingeschränkt bzw. verengt. Ein diffuses Ding mit einem diffusen Begriff zu benamen ist garkeine so schlechte Idee.

Das Menschliche, der Buchstabe, die Künste sind für das Ding zu konkret. Wir kommen gleich darauf zurück. In der Sache meinen die humanidades, die lettres und die arts dasselbe. (Wobei die französische Variante die skurrilste Variante ist. Lettres modernes entspricht mehr oder weniger dem, was im deutschsprachigen Raum Literaturwissenschaft ist, wörtlich übersetzt heißt es aber „moderne Buchstaben“, zumindest leitet sich lettre von Buchstaben ab, die erweiterte Bedeutung kam erst später. Wir zweifeln ja schon, siehe unten, am Primat der Sprache, aber im Französischen haben wir sogar den Primat des Buchstabens.) Vielleicht auch nur den Geist aus der Dose, also den Instant Geist oder den kastrierten Geist, aber das ist ein anderes Thema. Was das angeht sind die Unterschiede zwischen den Geisteswissenschaftlern, den licenciados en humanidades oder den hommes des lettres marginal.

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