(1) Eine Hausarbeit dient der vertieften literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Texten (oder Filmen bzw. sonstigenUntersuchungsgegenständen) (2) im Fokus einer genau eingegrenzten Fragestellung. (3) Sie baut meist auf Diskussionen oder Thesenpapieren auf, die bereits im begleitenden Seminar geführt wurden – für Hausarbeiten werden dabei literatur-, medien- bzw. kulturtheoretische Fragestellungen des Seminars aufgenommen und (4) an den dort zu Grunde liegenden Primärtexten behandelt oder auf andere, im Hinblick auf die Fragestellung relevante Texte übertragen. (5) Generell gilt es in, eine in Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Sekundärliteratur erarbeitete eigenständige These zu entwickeln und diese an konkreten Analysen zu überprüfen. (6) Wissenschaftliche Hausarbeiten erfordern eine Mischung aus Vorwissen, Thesenbildung und Methode: (7) Das Vorwissen hinsichtlich möglicher Fragestellungen und Themengebiete für Hausarbeiten liefert vor allem das Seminar, zu dem die Arbeit geschrieben wird. Hinzukommen können eigene Recherchen. (8) Die Thesenbildung besteht darin, einen nicht auf den ersten Blick offensichtlichen Zugang zu den analysierten Texten zu finden. Ein solcher Zugang setzt voraus, dass man mittels geeigneter theoretischer Fragestellungen aus der Perspektive eines Rezipienten heraustritt, der sich von einem Text oder Film ‚nur‘ ansprechen/unterhalten/belehren lassen will etc. Stattdessen geht es darum, nach den Verfahren zu fragen, mit denen ein Text/Film dies erreicht. (9)Die Methode besteht schließlich darin, die formulierte These einem literaturwissenschaftlich geschulten Leser durch verifizierbare konkrete Analysen nachvollziehbar zu machen.

6 Wissenschaftliche Hausarbeiten erfordern eine Mischung aus Vorwissen, Thesenbildung und Methode:
7 Das Vorwissen hinsichtlich möglicher Fragestellungen und Themengebiete für Hausarbeiten liefert vor allem das Seminar, zu dem die Arbeit geschrieben wird. Hinzukommen können eigene Recherchen.
8 Die Thesenbildung besteht darin, einen nicht auf den ersten Blick offensichtlichen Zugang zu den analysierten Texten zu finden. Ein solcher Zugang setzt voraus, dass man mittels geeigneter theoretischer Fragestellungen aus der  Perspektive  eines  Rezipienten  heraustritt, der sich von einem Text oder Film  ‚nur‘ ansprechen/unterhalten/belehren lassen will etc. Stattdessen geht es darum, nach den Verfahren zu fragen, mit denen ein Text/Film dies erreicht.
9 Die Methode besteht schließlich darin, die formulierte These einem literaturwissenschaftlich geschulten Leser durch verifizierbare konkrete Analysen nachvollziehbar zu machen.

In (1) wird der Begriff literaturwissenschaftlich einfach gesetzt, ohne dass er erläutert wird, wobei der Autor ihn auch nicht erläutern könnte. Dass es in der akademischen Beschäftigung mit Literatur irgendwelche wissenschaftlichen Herangehensweisen gibt, ist dem Autor nicht aufgefallen. In der Hausarbeit soll man sich dann mit dem Thema des Seminars auseinandersetzen. Das nimmt der Autor jetzt auch an, das machen ja schon die Schüler in der Schule. Die Grenze zum Erörterungsaufsatz ist dann die Wissenschaftlichkeit, von der aber kein Mensch weiß, was das sein soll. Auch (2) ist den unglücklichen Teilnehmern des Seminars bereits aus der Schule bekannt, das ist irgend so ein Blödsinn wie „Welche Handlungsalternativen hatte Gretchen in Goethes Faust?“. In (3) wird festgestellt, dass in dem Seminar irgendwas behandelt wird, was zum Thema gehört. Auch das ist bereits aus der Schule bekannt und das Problem ist das gleiche wie an der Penne. Die Frage ist, ob das, was behandelt ist, anschlussfähig und relevant oder beliebig und damit irrelevant ist. Das kulturtheoretisch macht zwar einen intelligenten Eindruck, ist aber nonsense, weil es konkret nichts bedeutet. Gehört eine relevante Frage nicht zu den kulturtheoretischen Fragestellungen, dann stimmt was mit den kulturtheoretischen Fragestellungen nicht und wenn bei den kulturtheoretischen Fragestellungen viele irrelevante Fragen sind, dann stimmt ebenfalls etwas nicht. Bei (4) lernen wir, dass wir uns mit Primärtexten befassen, das ist nun ein Unterschied zur Penne. In der Schule neigen Schüler dazu, sich eine Zusammenfassung zu besorgen und den irrelevanten Mist nicht zu lesen. Das passiert vor allem dann, wenn sie mit sinnfreiem Gebrabbel zugedröhnt werden. (5) ist spannender. In der Praxis bedeutet das, dass man jeden Blödsinn erzählen kann, wenn man nur eine Zitat aus der Sekundärliteratur fischt, das denselben Blödsinn  behauptet. In (6) lernen wir, dass man von dem Thema, über das man schreibt, Ahnung haben sollte, das wiederum war schon in der Schule so, die Frage ist nur, was Ahnung in diesem Kontext konkret bedeutet, siehe II. Was Ahnung haben konkret bedeutet, erfahren wir in (7). Das nötige Wissen erlangt man im Seminar, selber recherchieren darf man aber auch noch. In (8) macht er dann, was ihm wahrscheinlich gar nicht bewusst ist, eine klare Ansage. Es gibt einen spontanen Zugang zu dem geistigen Artefakt, bei dem der Empfänger aber lediglich angesprochen, unterhalten und belehrt wird. Das nur steht zwar in Anführungsstrichen, aber dieser spontane Zugang hat natürlich nicht die hohen Weihen der wissenschaftlichen Analyse. Ihm ist offensichtlich gar nicht klar, dass in den drei Wörtern ansprechen, unterhalten, belehren das ganze Mysterium steckt, wobei der Begriff belehren zeigt, dass er eigentlich keinen Zugang zur Dichtung hat. Ansprechend kann die Tischdekoration sein oder etwas in der Art. Niemand würde bei geistigen Artefakten, auch wenn sie spontan begeistern, mitreißen, berühren von ansprechen reden. Niemand würde sagen „die Queens“ sprechen mich an“, „die neunte Symphonie von Beethoven spricht mich an“, „die Dämonen von Dostojewky sprechen mich an“. Der Begriff unterhalten verweist auf eine geringe emotionale Involviertheit. Unterhaltsam sind auch Spiele. Sowohl ansprechend wie auch unterhaltsam verweisen auf die Belanglosigkeit und Beliebigkeit. Das unten stehende Gedicht von Nietzsche ist weder ansprechend noch unterhaltsam noch belehrend. Und zwar für niemanden. Es kann dem Leser höchstens gleichgültig sein. Dazwischen allerdings gibt es nichts.

Die Welt ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer Das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Dieses Gedicht von Nietzsche ist weder ansprechend noch unterhaltsam. Hier stellt jemand radikal alles in Frage. Jede Gewissheit, die spontan mit anderen Menschen verbindet, intellektuell und emotional ist verloren und ein neuer Grund, der auf einer höheren Ebene Gewissheit garantiert, ist nicht gefunden. Wenn jemand das Gedicht ansprechend oder unterhaltsam findet, dann hat er irgendwas nicht verstanden. Ansprechend und unterhaltsam ist eine gemütliche Angelegenheit, aber hier äußerst sich jemand, dem Gemütlichkeit nichts mehr bedeutet. Belehrend ist ein geistiges Artefakt nie. Belehren stellt auf die Vermittlung von objektiven Sachzusammenhängen ab, ohne dass das betrachtende Subjekt emotional involviert ist. Der Film Z von Costa Gavras beschreibt zwar die Situation in Griechenland vor dem Militärputsch 1967, aber die hätte man auch einem reinen Sachtext entnehmen können. Das geistige Artefakt belehrt nicht, sondern berichtet aus einer Perspektive in einer Art, dass der Empfänger diese Perspektive übernimmt.

Zentral für Geisteswissenschaftler ist ein Gespür für Wörter, das heißt die Wörter müssen mit Erfahrung geladen sein. Wer darüber nicht verfügt, der ist als Professor eine Fehlbesetzung. Genauso kritisch ist die Aussage, dass nach dem Verfahren zu fragen sei, mit denen der Text / Film dies erreicht. Hier wäre erst mal zu klären, was er denn überhaupt erreicht. Solange unklar ist, was ansprechend bzw. unterhaltsam bzw. belehrend ist, kann man darüber gar nicht reden. Geht es um belehren, wird das am besten durch eine didaktische geschickte Darstellung erreicht. Mit PowerPoint und viel Adobe Photoshop wird es vielleicht ansprechender, ob es damit auch didaktisch geschickt ist, ist eine andere Frage. In diesem Fall bestünde das Verfahren darin, den Umgang mit Adobe Photoshop zu lehren oder den Umgang mit Adobe Audition, wenn es vertont werden soll, oder einen Kurs zu machen in Videoschnitt. Soll es auf einem Smartphone landen, würden sich noch App-Programmierung anbieten.

Unterhaltend sind z.B. Krimiserien. Hier gibt es bewährte Verfahren. Man muss möglichst viele Autos spektakulär zu Schrott fahren oder Schiffe aufwendig versenken. Man kann natürlich auch Häuser sprengen und ähnliches. Neben dem Hauptstrang der Handlung, kann man noch alle möglichen Nebenstränge einflechten, also z.B. der ermittelnde Kommissar, der alle möglichen privaten Probleme hat, von der Ehekrise bis zu Alkoholproblem. Mit dem Begriff ansprechend im Zusammenhang mit geistigen Artefakten kann der Autor jetzt gar nichts anfangen und noch viel weniger kann er sich vorstellen, dass es ein Verfahren gibt, das garantiert, dass der Empfänger begeistert, berührt, erschüttert etc. wird. Der Begriff Verfahren verweist auf eine industrielle / handwerkliche Produktion. So Verfahren gibt es, wenn Unterhaltung intendiert ist. Die Beherrschung des Handwerks mag die Voraussetzung sein, fehlt aber der Überschuss, dann ist es Kitsch. Zwischen dem David des Michelangelo im Original und den zahlreichen Nachbildungen besteht handwerklich gesehen nicht mal so ein großer Unterschied, aber das Original ist großes Kino, die Nachbildungen Kitsch. Umgekehrt ist handwerkliches Können nicht notwendigerweise Voraussetzung für die Wirkung und meistens ist das erklärungsbedürftige Kunstwerk, das nicht von alleine spricht, bedeutungslos. Wenn man das Verfahren erklären muss, dann hat es sein Ziel nicht erreicht, dann war wohl von vorneherein nur Unterhaltung und Belehrung intendiert.

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