Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt
Und nach und nach wird man verflochten;
Es wächst das Glück, dann wird es angefochten
Man ist entzückt, nun kommt der Schmerz heran,
Und eh man sich’s versieht, ist’s eben ein Roman

Das Publikum sucht also den Geist gar nicht systematisch, sondern landet da eher zufällig. Das geht dann aber noch kurioser weiter.

Dann sammelt sich der Jugend schönste Blüte
Vor eurem Spiel und lauscht der Offenbarung,
Dann sauget jedes zärtliche Gemüte
Aus eurem Werk sich melanchol’sche Nahrung,
Dann wird bald dies, bald jenes aufgeregt
Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.

Ist das Publikum da erst mal zufällig gelandet, dann erwartet es die Offenbarung und es besteht ein Bedürfnis nach melancholischer Nahrung. Die Herangehensweise des Publikums ist nicht objektiv, sondern jeder sieht, was er im Herzen trägt. Was da konkret stattfindet, ist allerdings völlig schleierhaft. Das Herz ist eine Metapher für das Spannungsfeld zwischen Subjekt und Objekt. Wahrscheinlich bewegt und begeistert es die Leute, wenn ein Werk dieses Spannungsfeld uminterpretiert, in einen größeren Zusammenhang stellt, dieses Spannungsfeld überhaupt erst bewusst wird, es eine Handlungsalternative zeigt, wie mit diesem Spannungsfeld umgegangen werden kann. Feststellen kann man nur, dass der Autor eines der größten Werke der Weltliteratur das ziemlich subjektiv, ohne verbale Rückversicherung, und trotzdem treffsicher hingeknallt hat. Das Teil ist geladen mit Erfahrung. Liegt diese nicht vor, dann dreht die Sprache im Leerlauf.

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