Der Philosoph, der tritt herein
Und beweist Euch, es müßt so sein:
Das Erst wär so, das Zweite so,
Und drum das Dritt und Vierte so;
Und wenn das Erst und Zweit nicht wär,
Das Dritt und Viert wär nimmermehr.
Das preisen die Schüler allerorten,
Sind aber keine Weber geworden.
Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.
Encheiresin naturae* nennt’s die Chemie,
Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie.

* Zugriff der Natur. Die Vorstellung, dass es Kräfte gibt, die dazu führen, dass unterschiedliche Substanzen Verbindungen miteinander eingehen. Hier ist wohl gemeint, dass die Authentizität einer Erfahrung, also deren Wahrheit, zwar intersubjektiv wahrgenommen wird, aber nicht in Begriffen vermittelt werden kann.

Der Geist bewegt sich also zwischen Skylla und Charibdis. Sein Inhalt kann reine Projektionsfläche sein für irre Wahnvorstellungen, dann landen wir bei Heidegger und Co, und sich in der Beliebigkeit auflösen, wenn er mit Worthülsen beballert wird, siehe IV. Zutreffend ist, dass die Geisteswissenschaftler, also die Philosophen, zwar nicht irrlichtern, aber auch keine geistigen Artefakte hervorbringen, also keine Weber werden. Das Problem der Geisteswissenschaften ist, dass die Worthülse durch radikale Fragestellungen, die die Gesellschaft stellt, ziemlich schnell entlarvt wird. Wenn der vergeistigte Benedikt XVI wortreich darlegt, dass man ohne Gott die Würde des Menschen nicht fundieren könne, dann würde der gesunde Menschenverstand schlicht sagen, der Mann muss zum Psychiater. Wer Gott braucht, um Empathie zu empfinden, muss zum Psychiater.

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